Garten-Ideen mit Kies

Wenn ich heutzutage Garten-Ideen anbieten möchte, muss ich schon sehr schmunzeln:
ich wurde in einem kleinen Dorf in Nordrhein-Westfalen geboren. Die Eltern waren Flüchtlinge; ihre Vorfahren hatten in Ostpreußen und Pommern landwirtschaftliche Höfe betrieben.
Es war völlig selbstverständlich, dass in meiner Kinderzeit alle Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten geerntet wurden - Kaninchen, Hühner und eine Ziege gehörten auch dazu. Es war ein etwas ärmlicher Arbeiterhaushalt, der sich jedoch gut selbst versorgen konnte. Keiner mußte Hunger leiden - es waren typische Verhältnisse für die damalige Zeit.
Unser großer Garten musste jedoch auch bewirtschaftet werden, und wenn andere Kinder im Sommer schwimmen und spielen durften, mußte ich im Garten helfen und mit arbeiten.
Ich habe den Garten und die Arbeit darin aus tiefstem Herzen gehasst - so ist zumindest meine Erinnerung...
Viele Wander-Jahre und Orte später nach einem Leben in großen und größten Städten 1985 in Kiel heimisch geworden, bemerkte ich irgendwann, dass ich begonnen hatte, auf dem großen Balkon meiner Stadtwohnung 'Garten zu spielen'...
Es amüsierte mich zu Beginn sehr - auch brachte es meinem Sohn und mir viel Spaß, Johannis- oder Erdbeeren in das morgendliche Müsli frisch vom Balkon zu pflücken. Dieser gedieh zu einem Blumen-Paradies; und als dann auch noch ein Apfelstämmchen her mußte, wurde zu dem Zeitpunkt langsam deutlich, dass wieder 'Erde unter die Füße' kommen müsse!
Also doch 'Garten-Gene'? Wer hätte das gedacht!
Der Sohn ist erwachsen, und ich pendele zwischen der Arbeitsstelle in Kiel und einem kleinen Dorf nahebei, in dem ich mich außerordentlich wohl fühle. Und - es gibt einen Garten, den ich mit großer Leidenschaft und Begeisterung regelrecht 'erobert' habe und pflege!
Tatsächlich war es beinahe 'illegale Landnahme', die ich vor fast sechs Jahren betrieb; gemietet waren nur Wohnung mit Terrasse. Die sich anschließenden ca. 100 m2 bestanden aus Schotter-Untergrund, Efeu, vereinzelten Grassoden, dornigem Gestrüpp und widerspenstigen Bodendeckern. Diese Ödnis war sehr lange nicht gepflegt worden und sah traurig aus.
Es war mehr als deutlich: dieser Garten brauchte ganz dringend ein neues 'Kleid'!
Über zwei Jahre hinweg habe ich stellenweise mit der Unterstützung des Sohnes und der hilfreichen Nachbarin gerodet, gegraben und gewühlt, einen kleinen Teich angelegt, Feldsteine gesammelt, einen Rosenbogen aufgestellt, eine Trockenmauer gebaut, Blumen,Stauden und Kräuter gepflanzt, und nach und nach mehr freie Fläche geschaffen und mit Kies belegt.
Die Ideen entstanden während ich mit den Arbeiten beschäftigt war. Geplant hatte ich allerdings, dass ich nicht das Meiste der geringen Freizeit mit dem Zupfen von 'Un'-kraut verbringen wollte. Auch sollte mein neuer Garten Entspannung bieten und dem Auge gut tun.
Solche Erfahrungen hatte ich vor vielen Jahren während meines 1-jährigen Aufenthaltes in Japan gemacht. Dort war ich bei Besuchen von Tempel-Anlagen mit Zen-Gärten in Kontakt gekommen, die mich durch ihre Schlichtheit und Ausstrahlung sehr berührten und eine große Faszination ausübten. Kleine oder große geharkte Kies-Flächen, darin vielleicht ein monumentaler Stein oder eine Solitär-Kiefer - Entspannung für die Seele, eine Oase in einer tosenden Großstadt!
Diese Erinnerungen kamen zurück, als ich mir überlegen mußte, wie ich meinen Mini-Garten bestmöglich gestalte. Während ich das Thema 'Kies' bereits verinnerlicht hatte, stellte ich fest, dass durch die Erdarbeiten veschiedene Ebenen auftauchten. Also mußte ich auch Stufen bauen. Eine Herausforderung!
All' diese autodidaktischen Aktionen fanden nach dem 'trial and error'-Prinzip statt. Frustrationen gab es reichlich, die Freude am Tun und Ausprobieren sowie die vielen schönen Rückmeldungen von Freunden und Nachbarn überwogen und bestätigen und bestärken mich weiterhin in meinen Ideen.
Die Freunde und andere Besucher sowie Frösche, Lurche, Igel und viele Vogelarten fühlen sich sehr wohl. Das Gleiche gilt auch für Nachbar-Katzen, Maulwürfe und Ringelnattern!
Am Wochenende 16./17. Juni 2012 ist auch mein kleiner Garten im Rahmen der Aktion "Offener Garten"(www.offenergarten.de) zu besichtigen.
Machen Sie sich selbst ein Bild - so oder ähnlich oder auch völlig anders können die kleinen oder großen Garten-Oasen gestaltet werden.
Wichtig ist für mich das Wohlgefühl, im Garten zu sein und - tätig oder entspannt - sich jedes Momentes daran zu erfreuen und ihn zu genießen.
Und das wünsche ich Ihnen auch!